Die 5. Oldenburger Filmtage


Film- und Medienbüro präsentiert das Portrait:

Kim Longinotto und Jano Williams

Seit dem letzten Jahr hat das Portrait einer feministischen Filmemacherin Eingang in die Programmgestaltung der Oldenburger Filmtage gefunden. Wir zeigten eine Auswahl von Filmen der in London lebenden Regisseurin Pratibha Parmar, deren Filme bis dahin in Oldenburg nicht zu sehen waren und die auf große Resonanz gestoßen sind.
Dieses Jahr fiel unsere Wahl auf die beiden, wiederum britischen, Dokumentarfilmemacherinnen Kim Longinotto und Jano Williams, die bereits oft zusammengearbeitet haben.
Dream Girls ist der einzige bisher in Oldenburg gelaufene Film der beiden, an den sich sicher einige erinnern werden. RollenWechsel zeigte ihn vor 3 Jahren im Alhambra.
Schwerpunkt der Arbeiten von Longinotto und Williams sind Dokumentationen über Frauen in verschiedenen Ländern oder Kulturkreisen, wobei die Filmemacherinnen mit präzisem Blick weit hinter die Kulissen der sogenannten "Stellung der Frau in der Gesellschaft" schauen und nicht zurückgreifen auf das Lamentieren über eben diese schlechte Position der Frau. Statt dessen lassen sie die unterschiedlichsten Frauen selbst sprechen, lassen ihnen Raum um sich auf verschiedensten Ebenen auszudrücken, was immer wieder mit viel Humor geschieht. Die Offenheit der Beteiligten ist oft erstaunlich, und schon finden sich auch die ZuschauerInnen wieder mitten in den Auseinandersetzungen über das was "Gender" bedeutet - Geschlechtsidentität - und was passiert weil eben diese Identität gar nicht so identisch ist. Die Genderproblematik läßt sich nicht mehr weggrenzen und abtun als ein Problem einiger Weniger, wenn in The Good Wife of Tokyo die Ehefrauen sich über ihre alltäglichen Inszenierungen austauschen. Rituale wie das allmorgendliche Lachtraining für Frauen, ohne das der Alltag nicht aushaltbar wäre, sprechen für sich.

Jano Williams:
Abschlußdiplom in Soziologie an der Universität in Leeds. Sie lebte 13 Jahre in Japan, wo sie 10 Jahre lang für den Radiosender NHK tätig war. Sie arbeitete u.a. als freie Schriftstellerin für japanische Zeitschriften. Seit 1987 lebt sie wieder in England.

Kim Longinotto:
Ausbildung zur Kamerafrau und Regisseurin an der National Film School. 1986 gründete sie zusammen mit Claire Hunt das Frauenfilmkollektiv "20th Century Vixen". Weitere Filme u.a. "Pride of Place"(1976), "Theatre Girls"(1979), "Cross and Passion"(1981), "Underage"(1983), "Fireraiser"(1986), "Hidden Faces"(1990), "Tragic but Brave"(1993) Die vier Filme, die wir ausgesucht haben, handeln alle in Japan:

Sowohl Shinjuku Boys als auch Dream Girls leben zum großen Teil von der Faszination, die von den von Frauen dargestellten idealisierten Männerbildern ausgeht. Es ist ein offenes Geheimnis unter Frauen, daß die "realen Männer" nicht annähernd den hier selbstgestalteten Wunschbildern entsprechen. Die Filme stehen nicht im luftleeren Raum, sondern haben konkrete Veränderungen bewirkt. Kim Longinotto berichtete z.B. über Shinjuku Boys, der in Tokio nach anfänglichen Bedenken der beteiligten "Onnabes" gute Resonanz bekam und positive Auseinandersetzungen auslöste.

Wir freuen uns sehr, daß Jano Williams zu den Veranstaltungen am Samstag und Sonntag kommen wird! Da sie lange Jahre in Japan gelebt hat, wird sie noch vieles zu den Hintergründen der Filme zu erzählen haben. Bei den Diskussionen wird es eine Übersetzung englisch/deutsch geben.


Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 6.11.97 by Bertram