"Jetzt gehe ich weiter meinen Weg, der mein Ziel ist und ich spüre, wie plötzlich mit der Müdigkeit auch die Veränderung kommt. Und plötzlich scheint alles wie ein Buch mit Bildern oder ein bißchen grausames Zaubermärchen zu sein."
Antoine de Saint-Exupéry - Die Erde - Planet der Menschen
Der Mensch ist rastlos, ewig suchend nach dem, was er nicht finden kann. Ab
und zu packt er also seine Koffer und bricht auf - scheinbar ziellos macht
er sich auf die Suche nach etwas, das er nicht verloren hat, und von dem er
glaubt zu wissen, was es ist. Doch einmal aufgebrochen - mit oder ohne
Bestimmungsort - kehrt keiner unverändert zurück - falls es eine Rückkehr
gibt. Doch darin besteht kein Ausweg sondern nur eine bedingte Flucht nach
vorn, denn egal wohin es geht, bleibt jeder seinem Schatten treu, immer er
selbst (und so mancher nimmt sich hierin erst wahr!). Es ist also eine
merkwürdige Sache mit dem Verreisen, das verändert, ohne sich zu verändern,
das finden läßt ohne zu suchen und das das Ziel der Suche immer wieder
entrückt, um es schließlich aufzulösen. Genauso geht es mit der Zeit, die
die Reise außer Kraft setzt: werden ganze Stunden durch Zeitgrenzen getilgt,
so werden sie andererseits und anderen Orts zu Tagen und Tage zu Jahren in
der intensiven Begegnung fremder Menschen, deren Schicksale sich für kurze
Zeit kreuzen. Temporär nur, dann geht es weiter. Der Aufbruch impliziert
Ankunft, doch wo ankommen? Denn am Ende der Reise wird klar, was fehlt, was
besser ist an dem Ort, wo wir nicht sind, und was uns dazu treibt neu
aufzubrechen, zu suchen, rastlos.
Letztes Jahr der Tod, dieses Jahr der
Aufbruch, kleiner Tod und Neubeginn - zugleich mit der Ungewißheit des
Ausgangs im Nacken, als Unterwegssein Sinnbild des Lebens selbst. Die 5.
Oldenburger Filmtage befassen sich daher weniger mit dem Reisen als mit dem
Dazwischensein, unterwegs, mit oder ohne Ziel, mit oder ohne Träume, real
oder metaphorisch. Dabei reicht unsere Palette wohl weit über den Roadmovie
(mit Duell ist ein Klassiker dabei) hinaus, wenn ein Regisseur seine
85-jährige Großmutter und seine 7- jährige Tochter auf einer skurrilen Reise
entlang der britischen Küste begleitet (Gallivant) oder der schwarzweiße
Alltag eines Handlungsreisenden für Friseurbedarf aus dem Dunkel auf die
Leinwand gebracht wird (Winckelmanns Reisen aus unserer Jan Schütte-Reihe).
Wir wünchen viel Spaß beim Entdecken und Stöbern im Programm und während der Filmtage!
Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 6.11.97 by Bertram