Vor dem Oldenburger Wall-Kino wird der rote Teppich ausgerollt. Langsam
rollt das übergroße weiße Hollywoodcar heran. Die aufgeregte Menge wartet
neugierig auf den großen Star, der unserer Huntestadt die Ehre gibt.
Abgeschirmt von ihren Bodyguards schreitet sie würdevoll durch die Menge
dahin. Nach der Veranstaltung, ein kurzer Pressetermin, einige Floskeln für
die Gastgeber und zurück bleibt der Duft der großen weiten Welt...
5 Jahre Filmtage und wir garantieren, daß wir auch dieses Jahr keine Lust
auf so ein Theater haben.
Die Idee
Die Oldenburger Filmtage setzten von Beginn an andere Schwerpunkte.
Entstanden ist die Idee auch in Oldenburg Filmtage zu veranstalten 1993 im
Medienbüro. Film-und Kinokultur hatte bis dahin in Oldenburg eine eher
untergeordnete Bedeutung. Einige Filminitiativen versuchten zum Teil schon
seit Jahren, diesem tristen Alltag etwas entgegen zu setzen. RollenWechsel,
Filmriß, das Mobile Kino Niedersachsen, Gegenlicht (damals noch unter dem
Namen „AStA Lichtspiele“) und das Film- und Medienbüro, führten an
unterschiedlichen Orten, mit den ihnen eigenen Schwerpunkten
Filmveranstaltungen durch. So unterschiedlich auch die Struktur der
einzelnen Gruppen war und ist, gemeinsam war das Ziel, Filme die kaum eine
Chance haben in Oldenburg in die Kinos zu kommen, auch hier zeigen zu
wollen. Was lag näher, als diese verschiedenen Aktivitäten zu bündeln und
mit einer gemeinsamen Veranstaltung einmal im Jahr einem breiteren Publikum
vorzustellen. Die ersten Oldenburger Filmtage, vom 7.-13.November 1993 waren
geboren. Seither hat sich einiges geändert, vieles jedoch ist geblieben.
Die Bedingungen
Die Oldenburger Filmtage werden fast ausschließlich ehrenamtlich
organisiert. Neben der normalen Arbeit in den einzelnen Gruppen und der
Erwerbsarbeit oder dem Studium, dem die OrganisatorInnen nachgehen,muß alle
anfallende Arbeit organisiert werden. Und Filmtage machen eine Menge
Arbeit... . Außerdem haben die Oldenburger Filmtage von Beginn an unter
chronischem Geldmangel gelitten. Der Etat, der uns jedes Jahr zur Verfügung
steht, wird bei anderen Festivals vergleichbarer Größenordnung schon durch
Werbung überschritten. Diese sehr schwierigen Rahmenbedingungen tragen mit
dazu bei, daß wir jedes Jahr aufs neue bis zum Schluß improvisieren müssen.
Und viele unserer Ideen leider nicht zu finanzieren sind. Natürlich würden
wir den regionalen Film gerne mit mehr als den symbolischen 1000 DM fördern.
Filme, die keinen Verleih in Ländern der Europäischen Union haben, sind
schon allein wegen Zollgebühren und Versandkosten fast nicht finanzierbar.
Auch die Reisekosten für internationale Gäste müssen bei unserer Auswahl
leider eine Rolle spielen.
Das Motto
Was die Oldenburger Filmtage von anderen Filmfestivals unterscheidet ist
sicher die Filmauswahl unter einem sich jährlich ändernden inhaltlichen
Schwerpunkt. Die ersten Filmtage befaßten sich thematisch mit „Menschen am
Rande der Gesellschaft“, ein Schwerpunkt war hierbei die Situation der Sinti
und Roma. Zu den zweiten Filmtagen unter dem Motto „erst die Arbeit und
dann...“ war unter anderem die englische Gruppe „Amber“ zu Gast, die sich in
ihren Filmen hauptsächlich mit der Geschichte der Arbeiterklasse in
Nordengland auseinandersetzt. „... und drittens die Liebe“ bot die
Gelegenheit sich von Maria Schmidt über die Bedeutung der Nonnen im
Spielfilm aufklären zu lassen. „Was sollen wir denn machen ohne den Tod“,
ein Zitat aus dem gleichnamigen Film von Elfi Mikesch, beinhaltete eine
Auseinandersetzung mit Filmen über Aids, Tod und Leben im Exil, der
Bedeutung des Todes im Nationalsozialismus, dem Freitod und auch dem Sterben
im Alter.
Der regionale Wettbewerb
Von Beginn an war uns die Förderung des regionalen Films ein wichtiges
Anliegen, wofür mittlerweile traditionell der Montag im Cadillac reserviert
ist und was sich durch die Verleihung des Publikumspreises niederschlägt.
Videogruppen stellen sich vor
Der Dienstag im Cadillac steht ganz im Zeichen des Videos. Video bietet
vielen Menschen relativ unkompliziert die Möglichkeit zur Umsetzung ihrer
Ideen in Bilder. Viele Videogruppen verstehen sich als ein Bestandteil von
Gegeninformation und -kultur. In Oldenburg zu Gast waren bisher Gruppen aus
Dortmund, Köln, Kopenhagen, Mexico-City, Hamburg, Konstanz Bremen und
Berlin.
Kino in der Schule
Das Mobile Kino Niedersachsen bietet jedes Jahr kostenlos
Filmveranstaltungen zum Motto für SchülerInnen, mit anschließenden
Gesprächen an.
Portrait einer feministischen Filmemacherin
Um der männlichen Dominanz im Filmbereich und Kinogeschäft, mit der wir uns
als Ver- anstalterInnen tagtäglich konfrontiert sehen, zumindest ein Stück
weit entgegenzuwirken, haben wir uns entschlossen, jedes Jahr einer
feministischen Filmemacherin einen besonderen Platz im Programm einzuräumen.
Die Oldenburger Filmtage haben ihr eigenes Profil gefunden, zeigen eindrucksvolle Filme und stellen spannende Gäste vor. Dies wurde vom immer größer werdenden Publikum bestätigt und es wird sicher auch in Zukunft Filmtage geben.
Fotoausstellung
Während der Filmtage wird im Cadillac, im Alhambra & im PFL eine Fotoaustellung mit
Impressionen aus den letzten Jahren zu sehen sein.
Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 6.11.97 by Bertram